_2103-Soundart

Hörstationen

soundscape | musique concrète

radiokunst | radioartemobile

intermedium | electronica | noise

Besucherhinweis: Für die Nutzung der Installation “SoundARt” wird ein iPad benötigt, das gegen Abgabe eines Pfands (bsp. Personalausweis, Führerschein) an der Hörstation im Ausstellungsraum erworben werden kann

SoundARt geht über das Installative und Skulpturale weit hinaus. In sieben Stationen werden akustische Werke der Bereiche soundscape, musique concrète, radiokunst, radioartemobile, intermedium, electronica und noise in besonderer Weise inszeniert und für die Besucher zugänglich gemacht. Die einzelnen Themen wurden von Spezialisten kuratiert. Auf einem schwarzen Strahl, der die beiden Lichthöfe des ZKM | Medienmuseums miteinander verbindet und der in der Anmutung an das Display eines Radios erinnert, sind die sieben Themenbereiche abgesteckt. Quadratische Codes – ähnlich den bekannten QR-Codes – sind auf den Boden appliziert, für jedes Werk ein eigener Code sowie das Abbild des jeweiligen Werkes als Schwingungsgraph. Mithilfe eines vor Ort entleihbaren iPads lässt sich das Werk erleben, wird hörbar und in einer 3D-Simulation als Augmented-Reality-Erfahrung sichtbar, sobald die Kamera des iPads den Code erfasst. Das iPad ist der Tonabnehmer des Radiosenders, der die Frequenz abtastet.

In den Hörstationen werden für die Sound art zentrale musikalische Strömungen und historisch wichtige Werke präsentiert. Field Recordings, die sich seit den 1960er-Jahren ähnlich der Fotografie als künstlerische Form etablierten, sind zunehmend Ausgangspunkt für kreative Vielfältigkeit und elementar für das Genres soundscapes [„Klanglandschaften].
Die ersten Aufnahmen von Geräuschen und deren collageartige Verarbeitungen, zum Beispiel von Walter Ruttmann, ließen schnell das große Potenzial dieser neuartigen Klänge erkennen. Die französische Musique concréte wurde insbesondere von den Komponisten Pierre Schaeffer und Pierre Henry geprägt und theoretisch fundiert.
Schon früh hatte das Radio die neuen Klängen für sich entdeckt, entstanden experimentelle Hörspiele oder sogenannte akustische Kunst, die sich ähnlicher Methoden wie die elektroakustische Musik bediente und sprachkompositorische Ansätze, die Verarbeitung von Literatur mit diesen Praktiken verband. Das Radio war offen für vielzählige Einflüsse: Raum, Architektur, Intermedia, weshalb diesem Genre drei Stationen eingeräumt wurden (radiokunst, radioartemobile, intermedium).
In der Noise-Musik kommt die Emanzipation des Geräusches in der Kunstmusik des frühen 20. Jahrhunderts zum Tragen, aber auch die Bruitismen der italienischen Futuristen, die ästhetische Spiegelung industrieller und postindustrieller Produktionsweisen sowie die schiere Aufmüpfigkeit einer rebellischen Jugend im Umfeld der Punkbewegung.
Der Begriff „Electronica“ wurde Anfang der 1990er-Jahre geprägt, als sich die elektronische Tanzmusik zum Experiment und zur Avantgarde hin öffnete und sich nicht mehr ohne Weiteres als „Techno“ oder „Electronic Dance Music“ apostrophieren ließ. Heute bezeichnet man mit Electronica jene elektronische Musik, die dem Sounddesign und dem Habitus nach der Popkultur verpflichtet ist und mit der gleichzeitig ein gewisser Kunstanspruch einhergeht.

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Abb.: © ZKM | Karlsruhe, Foto: Steffen Harms

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